10. April 2018

Superlative und ein Drama über den Wolken

© Harald Tittel/Eifel-Literatur-Festival

Sebastian Fitzek eröffnet vor rund 1500 Besuchern das 13. Eifel-Literatur-Festival

WITTLICH. Mit einem furiosen Auftakt ist das 13. Eifel-Literatur-Festival in seine 13. Auflage gestartet. Rund 1500 Besucher waren ins Eventum Wittlich gekommen, um Deutschlands Thriller-Autor Nr. 1, Sebastian Fitzek, zu erleben. Und der machte nicht nur seinem Ruf als Meister der fesselnden Unterhaltung alle Ehre, sondern präsentierte sich seinen Fans auch als sympathischer Promi zum Anfassen.

Bevor jedoch ihm die Bühne und die gebannte Aufmerksamkeit des Publikums gehörten, stand zur Feier der Eröffnung das Eifel-Literatur-Festival selbst im Mittelpunkt. Der Wittlicher Bürgermeister Joachim Rodenkirch und Prof. Dr. Jürgen Hardeck, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Kultursommers Rheinland-Pfalz als Vertreter des Festival-Schirmherren Minister Konrad Wolf, würdigten dessen außergewöhnliche Erfolgsgeschichte und Bedeutung. Sie hoben besonders die Rolle des Festivals als kulturelles Flaggschiff in Rheinland-Pfalz, seine bundesweite Strahlkraft und das ehrenamtliche Engagement seines Initiators Dr. Josef Zierden hervor. Zierden selbst konnte das Gesagte mit stolzen Zahlen von 2500 verkauften Tickets am Tag des Vorverkaufsstarts und nicht abreißender Nachfrage bei aktuell schon mehr als 10.000 verkauften Plätzen für das beginnende Festival untermauern.

Nach so vielen Superlativen schien die Wahl von Sebastian Fitzek als Eröffnungs-Lese-Gast umso passender. Denn auch seinen Erfolg zeichnen Superlative aus. Im Februar knackten seine Bücher, die in 24 Sprachen übersetzt sind, die 10- Millionen-Auflage. Als er die Bühne des Eventums betritt, wird er empfangen wie ein Popstar, besonders Rufe aus weiblichen Kehlen schallen ihm entgegen. Sympathisch lächelnd und ganz locker nimmt er die warmherzige Begrüßung entgegen. Kaum zu glauben, dass so ein netter „Typ von nebenan“ Urheber von morbiden Fantasien sein kann, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Fast 1500 Besucher waren in Wittlich beim Auftakt des Eifel-Literatur-Festivals. Foto: Harald Tittel/Eifel-Literatur-Festival

Genau auf diesen Punkt geht er denn auch gleich ein, berichtet, dass die Presse sein Image enttäuschend gefunden und ihn gar als „postmodernen Harry Potter“ bezeichnet habe, bis er wenigstens von der Brille auf Kontaktlinsen umgestiegen sei. Mord und Totschlag sei aber nun mal sein Hobby: „Ihres offensichtlich auch, sonst wären Sie ja nicht hier“, sagte er und hat die Lacher auf seiner Seite. Fitzek hat Humor, aber auch Ängste, zum Beispiel die vorm Fliegen. Und als jemand, der seinen Alltag als Inspirationsquelle nutzt, hat er selbige zum Thema seines neuen Thrillers gemacht. Er heißt „Flugangst 7A“ und bewegt sich sowohl hinunter in die Abgründe der menschlichen Seele wie auch hinauf über die Wolken. 7A, erklärt Fitzek, sei die Nummer eines beim Flugzeugabsturz besonders gefährdeten Sitzes. Ihn hat der ebenfalls unter Flugangst leidende Protagonist seines Romans, Psychotherapeut Mats Krüger, vor einem Flug von Buenos Aires nach Berlin mit abergläubischer Vorsorge zusätzlich zu seinem eigenen Platz reserviert. Niemand soll ihn besetzen, damit auf der Reise nichts passiert.

Dennoch nimmt ein Drama seinen Lauf. Denn an Bord der Maschine meldet sich ein Erpresser über Krügers Mobiltelefon. Er verlangt, dass der Therapeut eine „menschliche Bombe“ aktiviert, die das Flugzeug zum Absturz bringen soll. Es ist eine ebenfalls in der Maschine reisende ehemalige Patientin, die Krüger von Gewaltfantasien geheilt hat. Er soll den Therapieerfolg rückgängig machen, anderenfalls werde seine hochschwangere Tochter, die mit geplatzter Fruchtblase in die Gewalt von Entführern geraten ist, getötet.

Fitzek liest Ausschnitte dieser Geschichte vor, in denen er gekonnt mit der Vorstellungskraft und menschlichen Urängsten spielt, Angst einer Schwangeren vor Verlust ihres Babys, Angst vor Kontrollverlust, vor Tod durch Absturz und vor der Entscheidung, Leben nur für andere Leben retten zu können. Zuviel verrät er aber nicht, sodass Spannung und Neugier aufs Buch gewahrt bleiben.

Zwischendurch bricht er die Lesung und das beklemmende Thema immer wieder auf. Er zeigt lustige Fotos oder Filmsequenzen zum Thema Fliegen oder verliert sich in Erzählpassagen, in denen er persönliche Anekdoten, aber auch interessante Einblicke in seine Arbeit zum Besten gibt. Die Zuhörer erfahren zum Beispiel, welche Maßstäbe er an Recherche und Stichhaltigkeit anlegt, um authentisch schreiben zu können. Auf diese Weise werden die rund zwei Stunden seines Auftritts zu einem sehr kurzweiligen und ebenso spannenden wie lustigen Vergnügen. Und danach gönnt Fitzek seinen begeisterten Zuhörern noch die Möglichkeit, ihm persönlich zu begegnen, indem er freundlich auf jeden Signierwunsch eingeht und damit die Reihe der Superlative um die des Signier-Rekordhalters zu erweitern.

Anke Emmerling

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