26. Januar 2022

MIT GLÜCK UND VERSTAND – JOSEF MANGOLD VERABSCHIEDET SICH ENDE FEBRUAR IN DEN RUHESTAND

Zum Einstand als Leiter des LVR-Freilichtmuseums Kommern bekam Dr. Josef Mangold im Dezember 2007 von seiner Belegschaft ein Ferkel geschenkt. Das Deutsche Weideschwein mit dem Namen „Jupp“ verlebte glückliche Jahre im Museum und wurde stets zum „Geburtstag“ von seinem Besitzer besucht und geehrt.

Der Direktor des größten und zweitältesten deutschen Freilichtmuseums verabschiedet sich am 25. Februar in den Ruhestand. 15 Jahre lang lenkte er die Geschicke des Museums mit Tatkraft und Umsicht.

Geboren wurde Josef Mangold am 20.04.1956 in Hermülheim, ehem. Landkreis Köln – womit er als echter Rheinländer qualifiziert ist. An der Universität Bonn studierte er Volkskunde, Rheinische Landesgeschichte und Historische Geografie – eine Kombination, die sich später als ideal für den beruflichen Weg herausstellen sollte. Im Rahmen seines Studiums ergaben sich erste Berührungspunkte mit dem Rheinischen Freilichtmuseum Kommern: Die dürftige Dokumentation des Hauses aus Rohren im alten Kreis Monschau legte eine gründliche Recherche der Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Region nahe. Heraus kam die 1992 veröffentlichte Dissertation: Leben im Monschauer Land. Wohnen und Wirtschaften im Spiegel von Inventarverzeichnissen des 19. Jahrhunderts.

Nach Stationen als Studentische Hilfskraft im Amt für rheinische Landeskunde Bonn – heute LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte (1981-1984) und am Volkskundlichen Seminar in Bonn (1984-1988) trat er 1990-1991 als Volontär beim Rheinischen Museumsamt Brauweiler an. Von seinem Ausbilder und Mentor Peter Joerißen erwarb er das Handwerkszeug für die Bereiche Museumspädagogik und Ausstellungswesen. In den zwei folgenden Jahren war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Museum Burg Linn in Krefeld für Volkskunde, Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik zuständig.

Die erste freilichtmuseale Station führte ihn 1993-2001 als stellvertretenden Leiter ins Bergische Freilichtmuseum Lindlar und in eine spannende Aufbauzeit des Museums – von der Infrastruktur über den Gebäudeaufbau bis zur Veröffentlichung eines Museumsführers. Durch die langjährige Krankheit des Direktors fiel Josef Mangold auch die offizielle Eröffnung des Lindlarer Museums 1998 federführend zu.

2001 wechselte er in die Abteilung Volkskunde an das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn, die er bis 2007 leitete. Unter seiner Ägide entstanden volkskundliche Filmdokumentationen wie „Die Frohsinnsverbreiter – Kölsche Funke Rut-weiß vun 1823“ oder auch Umfragen zu Alltagsthemen wie „Daumenbotschaften“, „Schmier Dir eins!“ oder „Iss was!?“ – Kieken in de keuken van de buur“.

Als Josef Mangold am 1.12. 2007 die Leitung des LVR-Freilichtmuseum Kommern – Rheinisches Landesmuseum für Volkskunde übernahm, stand das Museum unmittelbar vor dem 50jährigen Jubiläum der Museumsgründung im Jahr 1958. Aus der ursprünglich als einmaliges Fest geplanten Rückschau auf 50 Jahre Freilichtmuseum wurde in der Folgezeit die jährlich wiederkehrende Erfolgsveranstaltung „ZeitBlende – Museumsfest der Erinnerungen“.

Als den größten Verdienst von Josef Mangold kann man zweifellos den 2009 begonnenen Aufbau der zeitgeschichtlichen Baugruppe Marktplatz Rheinland bezeichnen. Die Präsentation der jüngeren Zeitgeschichte ab 1945 bis in die unmittelbare Vergangenheit mit den in Rekordzeit aufgebauten neun Gebäuden stößt nicht nur bei den Museumsgästen auf Begeisterung. Sie ist auch inzwischen deutschlandweit und international ein Alleinstellungsmerkmal des LVR-Freilichtmuseum in der freilichtmusealen Welt. Anerkennung hierfür erhält der Kommerner Leiter auch bei seinen Ämtern, u.a. als Vorstandsmitglied in der AEOM/Verband der Europäischen Freilichtmuseen oder als Vorsitzender des Kuratoriums Stiftung Nationalpark Eifel und Vogelsang.

Eine Reihe von vielbeachteten Ausstellungen, darunter „1914 – Mitten in Europa. Kriegs(er)leben im Rheinland“ und „Bartning.Bartning.Bartning“ über den BAUHAUS-Ideengeber – verknüpft mit der Eröffnung einer originalen Bartning-Diasporakapelle im Gelände – sowie regelmäßige Präsentationen aus dem Spielzeugfundus verweisen auf die Sammlungsarbeit des Rheinischen Landesmuseums für Volkskunde.

Die Bindung von jährlich über 200.000 Besucher*innen (vor den Pandemiezeiten) fördern die immer wieder an das Zeitgeschehen angepassten großen und kleinen Formate der jährlichen Veranstaltungen wie „Verrücktes Holz“, „Jahrmarkt anno dazumal“, „ZeitBlende“ oder „Advent für alle Sinne“.

Dass Josef Mangold darüber stets auch das Gelände als Präsentationsort im Blick behielt, belegen die mit großen Kraftanstrengungen und seinem tüchtigen Bauhof durchgeführten Verbesserungen der Infrastruktur wie Barrierereduzierung, Wegebau und -leitsystem sowie die Sanierung der Ausstellungshallen. Im letzten Jahr hat sich die 2016 begonnene aufwändige Baumaßnahme zum „Wassermangement“ als Glücksfall erwiesen, als sich die Flutschäden auf dem Kahlenbusch in moderaten Grenzen hielten.

Mit dem Gelände kommen aber auch die Gebäude „in die Jahre“. Die Sanierung der historischen Bauten aus den Aufbaujahren des Museums verband der Leiter mit dem neuen Format der 50. Hausjubiläen: Zum „3. Richtfest“ wurden nun die Bewohner des Herkunftsortes eingeladen, womit das Museum zugleich eine Fülle von Erinnerungen, Fotos und Dokumenten von Zeitzeugen erhielt, die die Präsentationen ergänzten.

Die Einbindung von Zeitzeugen und die über die Region reichende Wirkung spektakulärer Translozierungen gelang mit den ins Museums gelangten Objekten, ob es die Gaststätte Watteler, das Quelle-Fertighaus oder zuletzt die Milchbar aus Brühl oder die Tatort-Wurstbraterei waren. Auf ihren Wiederaufbau warten das Fachwerkhaus aus Roggendorf oder Helgas Büdchen aus Bonn.

Josef Mangold wäre nicht ein ebensolcher „Visionär“ wie es der Gründungsdirektor Adelhart Zippelius zu seiner Zeit gewesen ist, hätte er nicht auch Wünsche und Ziele für die Zukunft seines Museums im Blick: Hierzu zählen u. a. die Verstetigung und fachliche Stärkung der Ökologie im Museum, 2020 mit dem Projekt „Wilde Vielfalt im Museum“ und der Ausstellung „Stadt, Land, Garten“ in das Blickfeld der Museumsgäste gerückt sowie die Optimierung der Depotsituation, die nicht zuletzt durch den Ausbau des Marktplatzes und der Fülle an zeittypischem Sammlungsgut kritisch geworden ist.

Schließlich ist auch – neben dem Glan-Donnersberger Rind – auch die Rückzucht und Vermarktung des Deutschen Weideschweines als KommernSchwein (unter der Beteiligung des Fördervereins Rheinisches Freilichtmuseum Kommern e.V.) ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, das Josef Mangold mit dem Bonmot „Erhalten durch Aufessen“ auf den Punkt gebracht hat.

Womit man wieder beim Glück angekommen ist: Man kann Josef Mangold mit Fug und Recht eine „glückliche Hand“ bei der 15jährigen Leitung seines Freilichtmuseums bescheinigen. Sie gründet sich auf die fast schon „historischen“ Tugenden von Fleiß und Tüchtigkeit, die gepaart mit Humor, Enthusiasmus und einem kommunikativen Führungsstil ein großes und großartiges Team immer wieder zu Höchstleistungen zu motivieren verstand. Darin liegt das Glück des Tüchtigen – zum Wohle des Museums.

Nachfolger von Dr. Josef Mangold wird der langjährige Mitarbeiter, Volkskundler und Hausforscher Dr. Carsten Vorwig. Seine Vita weist ihn als Experten der (Freilicht-) Museumsarbeit aus. Als Spezialist für die Erforschung und Translozierung von historischen Gebäuden steht für ihn die Verknüpfung der Bauhistorie mit der Alltags- und Sozialgeschichte im Vordergrund. Schwerpunkte seiner Tätigkeit am LVR-Freilichtmuseum Kommern waren die Instandhaltung des historischen Baubestandes sowie der Ausbau der zeitgeschichtlichen Baugruppe Marktplatz Rheinland.

Über den LVR
Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeitet als Kommunalverband mit rund 20.000 Beschäftigten für die 9,7 Millionen Menschen im Rheinland. Mit seinen 41 Schulen, zehn Kliniken, 20 Museen und Kultureinrichtungen, vier Jugendhilfeeinrichtungen, dem Landesjugendamt sowie dem Verbund Heilpädagogischer Hilfen erfüllt er Aufgaben, die rheinlandweit wahrgenommen werden. Der LVR ist Deutschlands größter Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen und engagiert sich für Inklusion in allen Lebensbereichen. „Qualität für Menschen“ ist sein Leitgedanke.

Die 13 kreisfreien Städte und die zwölf Kreise im Rheinland sowie die StädteRegion Aachen sind die Mitgliedskörperschaften des LVR. In der Landschaftsversammlung Rheinland gestalten gewählte Mitglieder aus den rheinischen Kommunen die Arbeit des Verbandes.

 

Pressekontakt:

LVR-Freilichtmuseum Kommern
Auf dem Kahlenbusch
53894 Kommern
kommern.marketing@lvr.de
www.kommern.lvr.de

 

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