29. November 2022

„Hochwasserkatastrophe“ – Ein bewegendes Buchprojekt von StädteRegion und Medienhaus Aachen. Der Erlös geht an „Warm uns Herz“. Von Sabine Rother

© Foto:Sabine Rother

StädteRegion Aachen. „Ein Projekt, das mir persönlich sehr am Herzen liegt“, sagt Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier, und die Gedanken der Menschen im Eschweiler Talbahnhof wandern in dieser Stunde zurück zum 14. und 15 Juli 2021, zum Hochwasser, das in kürzester Zeit auch in der StädteRegion Aachen für enorme Verwüstungen gesorgt hat. Jetzt gibt es ein Buch darüber – „Hochwasserkatastrophe“ – und zur Buchvorstellung kommen Betroffene, Interessierte sowie diejenigen, die darin Informationen und authentische Geschichten zu einem erschütternden Gesamtbild geformt haben. Das Buchprojekt der StädteRegion entstand in Kooperation mit dem Medienhaus Aachen als bewegendes Zeitdokument mit persönlichen Geschichten und ausdrucksstarken Fotos. Es sind Begegnungen zwischen Ruinen und Schuttbergen, dort, wo die stinkenden Wassermassen üblen Schlamm hinterlassen haben – aber auch Momente überwältigender Hilfsbereitschaft und unerwarteter Nähe, über die in ihren Reportagen Sonja Essers, Tim Griese, Michael Grobusch, Caroline Niehaus und Merve Polat schreiben. In den zerstörten Städten der Region waren zudem fotografierend Michael Grobusch, Marc Heckert, Harald Krömer, Heike Lachmann, Jürgen Lange, Caroline Niehus, Merve Polat, Andreas Röchter, Irmgard Röhseler und Wolfgang Wynands sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Stolberg unterwegs.

Sie lassen die Geschichte(n) Revue passieren: Schauspielerin Annette Schmidt und Moderator Ralf Raspe.
© Foto:Sabine Rother

In seinen einführenden Worten erläutert Grüttemeier das Zustandekommen des Projekts, bei dem Nina Mika-Helfmeier, Leiterin der Stabsstelle Kultur bei der StädteRegion, die Fäden in der Hand hatte. „Der Ausschuss für Bildung, Schule, Wissenschaft und Kultur hat die Stabsstelle beauftragt unter Beteiligung der betroffenen Kommunen eine Publikation über die tragischen Ereignisse der Flutkatastrophe herauszubringen“, berichtet Grüttemeier. Er dankte Thomas Thelen, Chefredakteur von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten, sowie Redakteur Christian Rein für ein konstruktives Miteinander sowie dem Archiv des Medienhauses für Fotodateien und Informationen zur Chronologie der Ereignisse. So hat sich im vielschichtigen Miteinander ein Spannungsbogen zwischen Stolberg, Aachen-Kornelimünster, der Gemeinde Roetgen und Stadt Eschweiler entwickelt. Jedem Ort geben Menschen ein Gesicht.

Im abgedunkelten Raum des Talbahnhofs haben diese Frauen und Männer bei der Buchvorstellung gleichfalls eine Stimme. Schauspielerin Annette Schmidt und Moderator Ralf Raspe sitzen im Lichtschein der Leselampe auf der Bühne und lassen sie alle in Text-Ausschnitten zu Worte kommen. Da ist der Steinmetz Ralf Kauper aus Roetgen, der sämtliche Baumaschinen seiner Werkstatt zur Verfügung stellte und tagelang von früh bis spät beim Aufräumen half. Als Erinnerung an das Unglück hat er im Ortskern von Mulartshütte eine Basaltsäule mit einer Plakette errichtet, die den höchsten Pegelstand des Hochwassers zeigt.

Zusammenhalt und Menschlichkeit: Da erzählt Annette Schmidt von der tatkräftigen Christina Bungenberg aus Zweifall, einer Helferin der ersten Stunde, die sich als Organisationstalent erwies und sofort ein durchstrukturiertes Team gründet – kein Strom, kein Telefon – da ging man eben wieder zu den Nachbarn, sagt sie im Interview. Annette Schmidt und Ralf Raspe lesen einfühlsam und wecken das Interesse auf mehr, zumal man im Buch unterschiedliche Aspekte entdecken kann, etwa bei Dominik Beckers aus dem Leitungsteam des Notversorgungszentrums Vicht, der als Veranstaltungstechniker eher bei Festivals im Einsatz ist. Die Situation nach dem Hochwasser verlangte all seine emotionalen und physischen Kräfte, die gelebte Solidarität wird er nicht vergessen. Erinnerungen sind bis heute quälend, etwa für Laura Markenstein, Geschäftsinhaberin in Stolberg, die eine „surreale“ Flutnacht mit Ölgestank und bedrohlichem Wasserrauschen hinter sich hat, oder Thomas Johnen, Kreisbeauftragter des Technischen Hilfswerkes (THW) mit Auslandserfahrung, der sich im Gespräch mit Redakteur Michael Grobusch wundert, dass niemand getötet oder schwer verletzt wurde.

Sie alle haben mitgewirkt (von links nach rechts):
Marc Heckert, Caroline Niehus, Michel Grobusch, Sonja Essers,
Merve Polat, Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier, Tim Griese, Thomas Thelen (Chefredakteur der Aachener Zeitung)
© Foto:Sabine Rother

Jede persönliche Botschaft ist ein Aufruf zum Mitdenken und Nachdenken, etwa von Duygu Ulfig, Netzwerkerin, Aktive der „IG Mühle“ in Stolberg, einem „gefühlt“ eher vernachlässigten Stadtteil. Ihr Blick hat sich gewandelt. Sie hilft gerade dort. Oder Michael Junker Wachabteilungsführer bei der Stolberger Feuerwehr, der mit Entsetzen die Pegelstände von Vichtbach und Inde aufnahm und den Kollegen frühzeitig sagte: „Leute, wir werden absaufen.“ Als er dann Leichensäcke ordern musste, ging das selbst dem Feuerwehrmann mit 35-jähriger Erfahrung sehr nahe. Mut war gefragt, auch bei Brigitte Kaschke, die seit 1983 einen Friseursalon in Aachen-Kornelimünster betreibt. Sie hat sich der Herausforderung gestellt, saniert, renoviert und: Sie genießt es, an ihrem Heimatort verwurzelt zu sei. Das schätzt gleichfalls Goldschmiedin Laura Beißel in der Nachbarschaft, die kurz nach der Flutkatastrophe ihr Kind bekam, Anton. Mutig Markus Buchem in Eschweiler, der als erster Geschäftsmann nach vier Monaten wieder öffnete – und das nach eingedrückten Schaufenstern und gefluteten Innenräumen.

Gemeinsam anpacken – das war und ist die Devise von Karlheinz Breuer, Geschäftsführer des Bürgervereins Mulartshütte, der uralte Familienbesitztümer auf den Müll werfen musste. Timothy Frings vom Bürgerservice der Gemeinde Roetgen, erlebte im eigenen Wagen die Angst vor dem Wasser. Als er dabei half, die Menschen von Campingplatz zu retten, vergaß er die eigene Angst. Sämtliche Fahrzeuge ihres Betriebes hat Rinderzüchterin Sara Poensgen zum Hilfseinsatz gebracht. Guido Masmeier vom THW in Eschweiler, musste erleben, wie alle Rettungsversuche für das St.- Antonius-Hospital vergebens waren, dessen Geschäftsführer Elmar Wagenbach nun eine zweifache Last zu tragen hat: die Organisation der Schadensbereinigung und den Wiederaufbau. Für Michaela Silbernagel, Leiterin der Realschule Patternhof in Eschweiler, gibt es nur eins: die Hoffnung auf einen Neuanfang im Sommer 2023, so lange müssen Schülerinnen und Schüler in Würselen lernen.

Nach dem letzten Porträt herrscht betroffenes Schweigen im Saal, das Thomas Thelen spontan mit eine großen Dank an alle „die täglich draußen sind“, auflöst, nochmals auf die bewegenden Fotografien von gurgelnde schmutzigen Wassermassen, zertrümmerten Einrichtungen und erschöpften Menschen hinwies. 3,5 Millionen Euro hat „Menschen helfen Menschen“, Hilfsaktion des Medienhauses, für die Flutopfer gesammelt. Der Reinerlös des vorgestellten Buches fließt der Aktion „Warm ums Herz“ zu. Sie hilft Menschen, die aufgrund gestiegener Energiepreise in finanzielle Not geraten sind. Viel Applaus für alle.

„Hochwasserkatastrophe“, Städteregion Aachen (Hrsg), 113 Seiten, 15 Euro.

Folgende Buchhandlungen bieten das Buch an: Schmetz am Dom, Münsterplatz 7-9, 52062 Aachen; Mayersche Aachen, Buchkremerstraße 1-7, 52062; Buchhandlung am Markt, Trierer Straße 788, 52076 Aachen; Buchhandlung Backhaus/Filiale Simmerath, Hauptstraße 66, 52156 Simmerath; Buchhandlung Lesezeichen, Hauptstraße 45, Roetgen; Buchhandlung Oelrich & Drescher, Rosenallee 26, im Eschweiler Weinladen; Mayersche Eschweiler, Marienstraße 2, 52240 Eschweiler.

 

 

Pressekontakt:
Detlef Funken

StädteRegion Aachen
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